Berichte von 01/2014

Poverty is not an accident. Like slavery and apartheid, it can be removed by the actions of human beings. (Nelson Mandela)

27Jan2014

Zuckerrohr kauen in Kayole, Nairobi Kenya. Phot Credit: Anja Lüthi

Doing small Things with great Love

27Jan2014

Heute war ein riesengroßes Paket für uns bei der Post! Voll mit Kinderklamotten und Schulmaterial und einer Karte mit den besten Grüßen aus Deutschland. 

Sarah schrieb mir vor ein paar Wochen, wie gerührt sie sei von meinen Texten und Bildern, von unserer Arbeit hier, und dass sie und ihre Familie gerne etwas beitragen würden. Da haben sie einfach ohne zu Zögern ein Paket gepackt und es hergeschickt.

Jetzt sitz ich sprachlos hier. Vor diesem großen, liebevoll gepackten Paket, vor Eurer Liebe und Hilfsbereitschaft. 

Ich kann es nicht erwarten, die Bilder zu sehen, die die Kinder mit den Stiften malen, die Geschichten zu hören, die dahinter stecken. Ich kann es nicht erwarten zu sehen, wie sie Sarahs und Julias Kindershirts tragen!

Im Moment passiert hier so viel Gutes. Letzte Woche konnten - dank Spenden - fünf Kinder aus unserem Dorf zum ersten Mal zur Schule gehen, einige von ihnen sind bereits zehn Jahre alt. Wir unterrichten sie separat auf dem Boden hinter der Schule (weil die Klassenräume voll sind). Sie haben noch nie einen Stift gehalten, haben nie gelernt sich in der Schule zu benehmen. Bis letzte Woche sind sie als "troublemaker" im Dorf herumgestromert, und wenn irgendwo jemand wütend gebrüllt hat, konnte man sich fast sicher sein, dass einer dieser Jungs die Ursache war... Da liegt so viel Zauber im ersten selbstgemalten Bild, im Namen-schreiben zum ersten Mal, in Godsways strahlendem, stolzen Gesicht. Der Unterricht mit den fünf Kindern ist anstrengend und nervenaufreibend und wunderschön. Das sind gute Momente im harten ghanaischen Schulalltag, mit dem wir Volunteers alle unsere Schwierigkeiten haben. Unser eigener Unterricht (der natürlich auch irgendwie chaotisch ist und den wir im Nachhinein selbst oft nur mit einem seufzenden "oh well..." kommentieren können)  macht trotz aller Anstrengung Spaß, aber die anderen Lehrer zu beobachten, die erstens überhaupt gar keine Ahnung von Didaktik, Methodik, Pädagogik und manchmal nicht mal von ihrem eigenen Unterrichtsfach haben, und die zweitens die Kinder nicht selten schlagen, ist manchmal fast unerträglich. Aber es ist nicht unsere Kultur hier, und große Veränderungen brauchen viel Zeit. Auch macht es keinen Sinn, einfach die Arbeit der lokalen Lehrer zu übernehmen. Wir arbeiten allen vielen Ecken und Enden auch mit der Schulleitung und den Lehrern, wenngleich es letztlich das Ziel von TANF ist, eine eigene Schule aufzubauen, die alle Kinder kostenlos besuchen können und wo sie guten Unterricht erhalten. Andererseits wollen wir natürlich auch irgendwie die Bildung in den Schulen verbessern, die es bereits gibt... 

Es ist wirklich spannend, hier dabei sein zu dürfen und so involviert zu sein und zusätzlich Eure Unterstützung aus der Heimat zu spüren!

Danke Euch allen und ein riesengroßes Dankeschön vom ganzen TANF-Team heute besonders an Sarah, Julia, Andrea und Uli!

(Fotos folgen!)

 

Don’t ask what the world needs. Ask what makes you come alive, and go do it. Because what the world needs is people who have come alive. (Howard Thurman)

20Jan2014

Ich sitze auf einem Felsen auf dem kleinen Berg hinter Teiman, dem Ort, wo ich zur Zeit wohne, und gucke seit Minuten Richtung Horizont. Es ist immer etwas diesig und staubig hier in Accra, der Himmel immer etwas trüb. Ich kann nicht erkennen, wo genau in der Ferne der Horizont ist, wo die Erde aufhört und der Himmel anfängt. Die Sonne brennt heute wieder, ein Schweißtropfen kitzelt mich am Arm. Irgendwo singt ein Vogel, irgendwo da links im Urwald. 

Ich will nirgendwo anders sein grade.

Es ist still hier oben und wir haben fast zwei Stunden gebraucht um aus dem Dorf hier her zu wandern, ein staubiger Weg, rostroter, trockener Staub. Die Wanderung war anstrengend in der Hitze, ich fühle mich ein bisschen schwach, und gleichzeitig so ewig lebendig. Jakobswegsgefühle.

Am Nachmittag, auf dem Weg zurück durchs Dorf, treffen wir spielende Kinder. Ebenezer und Emanuela fahren mit einem BMX- Fahrrad umher, andere Kinder kicken eine leere Kokosnuss durch den Staub. Zwei Mädchen liegen unter einem Baum im Schatten und kichern, andere stromern scheinbar ziellos umher. Das Dorf ist weitläufig hier Richtung Norden, die Straßen sind breit und gewohnt unbefestigt, die Häuser stehen etwas vereinzelter als tiefer im Ortskern. Emanuela tritt in die Pedale, Ebenezer hält sich an ihren Schultern fest. Mit einem Tempo, das wir unseren Kindern allenfalls mit Helm, aber garantiert nicht mit einem fünfjährigen Jungen auf den Dornen des Hinterrads stehend erlauben, preschen die zwei Freunde durch den Staub, fahren die Straße noch dutzende Male auf und ab an diesem Nachmittag. Ohne ein Ziel zu haben als dieses Stück Straße selbst, ohne irgendwo hingelangen zu wollen, ohne mehr erreichen zu wollen als die brausende Fahrt selbst. Ich kann ihre Freude spüren, ihr Lachen trägt ihre Freiheit dieses Augenblicks zu uns, als wir die Straße entlanglaufen. 

Emanuela und Ebenezer

Ein völlig sinnloser Tag? Berg raufklettern, Horizont suchen, runterklettern, Kindern beim Spielen zugucken, nach Hause gehen. Ich bin verwirrt, als ich tiefe Zufriedenheit spüre, hatte ich doch letztens noch gesagt, dass gerade die Sinnhaftigkeit der Arbeit hier mich so ausfüllt. Ich frage mich, ob ich mich schuldig fühlen muss, habe ich heute doch scheinbar nichts zustande gebracht. Als ich merke, dass das einer dieser verrückten und altbekannten Gedanken ist, der so typisch für unsere Gesellschaft ist, schiebe ich ihn weg und genieße. So gut, wichtig und erfüllend die Arbeit für Andere ist - da ist auch Glück in der scheinbaren Sinnlosigkeit des Lebens, im Berg-Hinaufklettern, im Sterne-Gucken, im Von-den-Klippen-vor-Mombasa-Springen, im Pfannekuchen-Perfektionieren in unserer WG-Küche. Im wochenlangen Wandern auf dem Jakobsweg, angekommen in Santiago feststellend, dass das Ziel unserer Reise jeder Schritt und jeder Tag selbst und nicht diese Stadt am Ende war. Im Kekse-Suchen im Koffer auf der Rückbank von Lindas Auto, während wir im Stau auf der Severinsbrücke stehen (ich kann mich immer noch an das Wühlen im Koffer erinnern, an unser Kichern, an Lindas Lachen. Wie die Kekse geschmeckt haben, was das überhaupt für welche waren, weiß ich gar nicht mehr. Ob wir sie überhaupt gefunden haben?) 

mit Matthias auf unserer Wanderung in die Hügel hinter Teiman

Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst (J. W. Von Goethe). Paradox? Unsere ganze Welt ist paradox, wir sind paradox, jeden Tag. Wir sehnen uns nach unmittelbarem Glück, aber anstatt es zu erleben, arbeiten wir hart, damit wir es uns mit der Rente dann später mal leisten können. Wir brechen vor lauter harter Arbeit lieber auf unserem teuren Ledersofa zusammen, als glücklich auf einer ollen Couch zu sitzen. Wenn unser Alltag uns krank macht, zweifeln wir oft erstmal an uns, aber nicht an unserem Lebensstil, und wir nehmen Medikamente, damit wir wieder funktionieren. Wir vergessen, dass niemand, der gegeben hat, je arm geworden ist (Anne Frank). Wir bekommen den Friedensnobelpreis und investieren in die Rüstungsindustrie. Wir sind für einen Mindestlohn in Deutschland und kaufen Nike-Schuhe aus Sweatshops, wir finden fairen Handel wichtig und haben unser Geld auf einer Bank liegen, die mit Lebensmittelpreisen pokert. Wir sind superökohip und essen kein Fleisch, weil es schlecht für die Umwelt ist, nehmen aber zehn Stunden Flug nach Afrika in Kauf. Wir finden diesen ganzen Marken- und Vergleichswahn unserer Schüler und Kinder schrecklich, und posten doch selbst jedes kleine eigene Glück auf Facebook - um der Welt zu zeigen, dass wir nicht ganz so kaputt sind wie die Anderen da draußen und um uns selbst zu beweisen, dass wir doch gar nicht so übel darin sind ein erfülltes Leben zu führen. Tatsächlich warten wir unser ganzes Leben lang auf die Freitagnachmittage und auf die Ferien und am Sonntagabend und Ferienende schließlich sind wir müde und enttäuscht, weil wir ja doch nicht nachholen konnten, was wir unter der Woche verpasst haben. Wir lesen inspirierende Bücher, geben Geld für Seminare aus, in denen man uns sagt wie man das Leben genießt und glücklich wird und wir pinnen schlaue Zitate im Netz. Wir liken Videos von Slammern, die in einem hübschen Gedicht von der Wahrheit sprechen, die wir eigentlich doch alle kennen, und raffen uns trotzdem nicht auf. Es berührt unser Herz, wenn die junge Studentin sagt, dass wir anfangen sollten heute die Geschichten zu schreiben, die wir erzählen wollen wenn wir alt sind. Wir geben ihr Recht, aber wir finden tausend Ausreden, warum wir unseren Job nicht kündigen können, warum wir nicht jetzt tun und lassen können was uns glücklich macht (Ausreden, die wir noch nicht mal als solche erkennen). Und wir nennen jeden naiv und einen Träumer, der uns das vorwirft. Wir sehnen uns nach dem Leben, aber wir wagen nicht einmal, davon zu träumen.

Kindheitsglück

Hier in Afrika hab ich ja leicht Reden (und es kann ja jetzt nicht jeder nach Afrika fliegen). Weit weg von allen Pflichten, hier, wo die Sonne so groß ist und der Mond auf dem Kopf steht. Umgeben von lauter Träumern und Visionären, von jungen Hippies und selbsternannten Weltverbesserern, von Rucksackreisenden, die alles hinter sich lassen um im Siff der Hostels nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Weite, bunte Hosen tragend und im Räucherstächenrauch Geschichten teilend. Umgeben von Neunzehnjährigen, die alleine aus England nach Kenya hitchhiken (!) und von Achtzigjährigen, die durch Westafrika reisen. Raus aus allen alten Rollen und einen großen Schritt zurückgetreten, um besser sehen zu können, was da eigentlich los ist in der Gesellschaft und in dem System, das uns oft krank macht und das schon unsere Grundschüler depressiv werden lässt.

Keinesfalls habe ich die Wahrheit gepachtet, keinesfalls habe ich die Wahrheit gefunden im salzigen Ozeanwasser vor Ghanas Küste oder im trockenen Staub in Kenias Savannen. Ich hab nur mich selbst gefunden, unerwartet und zufällig. Als wir die grüne Schlange unter den Steinen auf dem Voi Hill angeguckt haben. Als wir unter Millionen Sternen und Planeten ein billiges Reis-mit-Kokosbohnen-Gericht gegessen haben, als wir kalt schwitzend versucht haben, dreißig aufgedrehte Kinder zu bändigen (erfolglos), unter den verständnislosen Blicken der Nachbarn. In der Blechhütte bei Schüttregen und Gewitter. Im Bus von Mbita nach Nairobi fahrend. Als die Sonne unterging über Tsavo East und alles in goldnes Licht getaucht war, als vor uns nur der endlose Himmel und die weite Savanne lag und man nichts hören könnte als die Vögel am Wasserloch. Beim Chapati-Braten barfuß in der Küche, bei dem es eigentlich mehr um das geschwisterliche Rumalbern ging als um die Chapati. Mit Schwester Anja im Zelt bei Regen und leiser Musik. Beim Dichten, "Cool cruising kids kindly carried on a kenyan camel", während wir mit dem Pikipiki über die unbefestigten Straßen gefahren sind. Wir haben Ameisen verglichen und Bäume bestaunt und Wörter und Formulierungen gesammelt, die schön klingen. Wir haben "rooftop romance and coconut rice" gefunden und Gabriel hat "chocablocks with nicnacs" entdeckt. Sinnlos alles, albern? Vielleicht.

Und vielleicht denkt jetzt einer, soll die mal erstmal wiederkommen. Soll die erstmal wiederkommen, ich mach ihr schonmal direkt auch n Friseurtermin. Soll die mal in meiner Situation sein oder ihr Referendariat im Mai anfangen mit Lehrproben und anstrengenden Kindern und Unterrichtsvorbereitungen. Vielleicht, vielleicht, hat derjenige ein bisschen Recht und vielleicht lache ich in zwei, zehn, fünfzig Jahren über meine naiven Texte, über die Unterrichtsversuche an ghanaischen Dorfschulen und den Glauben, dass ich doch tatsächlich einen Unterschied machen könne (wenn, dann hoffentlich später als früher). Ich will diese Leichtigkeit aber nicht einfach hier lassen, wenn ich in ein paar Wochen zurückfliege. Noch immer bekomme ich SMS aus Kenya, in denen steht "Sister sister sister, I found a cool new word my Dear...". Vielleicht wache ich auf, wenn ich wieder ins kalte Wasser der Heimat geschmissen werde, und dann schäme ich mich vielleicht, dass ich Euch all die leichtsinnigen Dinge gesagt habe. Manchmal würde ich auch lieber schlaue Sachen schreiben hier, die nach der schlauen Frau klingen, die Schule und Uni aus mir gemacht haben. Dann würde ich schreiben wie stolz ich auf die Aufsätze meiner Schüler bin und wie gut mein sprachsensible Mathematikunterricht klappt (Ha!). Aber ich weiß so wenig grade und fühle mich aber so lebendig. Und um ein kreatives Leben leben zu können, müssen wir die Angst verlieren, falsch zu liegen und zu scheitern (J. C. Pearce). Die Angst davor ebenso wie die Erinnerung daran.

Ebenezer und Emanuela in Teiman

Listen to the MUSTN'TS, child,
      Listen to the DON'TS
      Listen to the SHOULDN'TS
The IMPOSSIBLES, the WONT'S
      Listen to the NEVER HAVES
Then listen close to me-
      Anything can happen, child,
ANYTHING can be.

(Shel Silverstein)

Fledermäuse über Kumasi, Könige im Palast und kontrollierter Stromausfall zu Hause- That's Ghana For You

12Jan2014

Bevor die Schule am Montag losgeht und wir ins neue Halbjahr starten, haben Mariah und ich das Wochenende genutzt, um Kumasi zu erkunden. Die große Stadt liegt nördlich von Accra und mit dem Bus kommt man günstig hin. Die Busse wirken im Vergleich zu Kenia total verkehrssicher und haben sogar eine Klimaanlage. Für 7 Euro gibt's also fünf Stunden Kühlschrank-Busfahrt durchs grüne Ghana (überall hier ist üppig und wild bewachsener Dschungel) inklusive Nollywood-Entertainment (nigerianische Filme oder Serien mit grausamer Soundqualität, amateurhafter Kameraführung, Schnitte à la Powerpoint-Präsentation eines Siebtklässlers und überraschend schlechter schauspielerischer Qualität- da lobe ich mir doch wieder meinen Lieblingsluxus-Gegenstand: meinen ipod).

Wir übernachten bei Couchsurfer Selasie und seiner Frau Hannah auf ihrem alten Sofa und auf dem Wohnzimmerboden ihrer kleinen Zweizimmerwohnung. Wir werden herzlich aufgenommen von den beiden, obwohl Selasie erkältet ist und Hannah viel arbeiten muss und müde wirkt, und erleben ein Stück ghanaischen Alltag ganz authentisch. Ein Hoch aufs Couchsurfing!

mit unseren Gastgebern Selasie und Hannah

In Kumasi steht auch der Palast des Asante-Königs, also gibt es in der Stadt viel über die Asante-Kultur zu erfahren (die Asante sind der größte Stamm in Ghana). Diese Kultur mit Dorfchefs und einem König ist uns ganz fremd, aber es ist interessant zu sehen, welche Bedeutung diese Ämter noch heute neben den offiziellen politischen Ämtern Ghanas haben. Das Frauenbild der Asante geht überhaupt nicht einher mit Mariahs und meinen Vorstellungen- und auch nicht mit denen der (wenigen) modernen mutigen Ghanaerinnen der Städte. Überhaupt weckt Ghana den Feminismus in uns, dazu später an anderer Stelle mal mehr.

Im Königspalast-Museum treffen wir aber eine fast achtzigjährige Dame aus Australien, die seit gut zwanzig Jahren verwitwet ist und jetzt ihren "wheelchair fund" für eine Reise durch Westafrika nutzt. Sie war schon in Togo, Benin, Burkina Faso- allein reisend. Im Sommer hat sie erst ihr zweites Studium abgeschlossen, Kunst und Spanisch hat sie studiert inklusive Auslandssemester in Mexiko. Soviel zum Thema "solo female travelers".

Wir konnten dann in einem Dorf etwas außerhalb der Stadt über's traditionelle Kente-Weben der Asante lernen- das ist echt saumäßig viel Arbeit, an einem Stück Kente sitzt ein Weber bis zu sechzig Tage lang, aber der Stoff sieht auch wirklich schön aus. Und die Jungs (Weben ist hier Männerarbeit, während die Frauen auf dem Feld arbeiten) wissen was sie tun, sie klackern ganz schnell mit den Webschiffchen umher und weben komplizierte Muster.

ein junger Kente-Weber bei der Arbeit

Der Markt in Kumasi ist der größte Westafrikas- überall Menschen, Verkäufer, Stimmen, Frauen mit Körben und Kisten auf dem Kopf, Lebensmittel, dunkle und dunkler werdene Gassen, bunte Stoffe, Hühner, Tierbeine, Fische, Schuhmacher, und Leute, die mit ihren Werkzeugen klappern und an Ort und Stelle eine Pediküre anbieten. Natürlich haben wir uns darin verlaufen, aber so bekommt man ja nur noch mehr Interessantes zu sehen. Eine Stunde auf dem Markt ist jedenfalls eine echte Reizüberflutung, tausend Gerüche, Geräusche, Farben.

wildes Markttreiben herrscht unter diesen Dächern

Wir krachen mit hastenden Marktfrauen zusammen, die dennoch die großen Töpfe auf dem Kopf nicht fallen lassen. "Obruni, Obruni", Weiße, Weiße, Hände berühren uns, eine jungen Frau mit zarten Schweißperlen auf der Stirn nickt mir auffordernd zu und bückt sich zu ihrem übergroßen Korb mit Yamwurzeln hinab. Ich verstehe spät, tue dann nach, was ich schon öfter beobachtet habe, packe ebenfalls an und hieve den Korb mit auf ihren Kopf. Sie lächelt, zieht dankend die Augenbrauen hoch: "God bless you, sister", und verschwindet im Getümmel. Überhaupt wirkt die ganze Stadt wie ein einziger Markt, wir schwimmen im Strom und genießen den bunten Rausch, der im fast westlich entwickelten Accra weniger zu spüren ist. Über dem Park in der Innenstadt schwirren hunderte goße Fledermäuse, sie hängen gruselig an den Ästen der Bäume hinab. Auf den Straßengrills liegen sie dann geröstet neben Maiskolben auf dem heißen Gitter- schwarz, filigran, grotesk. Wir passieren auch die Marktstände (das heißt in dem Fall: Die mit Waren überladenen Plastikfolien auf dem Boden) mit Schweinehufen und Gemüse. Es riecht unangenehm, wo ein Mann ein paar Meter weiter mit einem Beil schwungvoll Kuhhufe (glaube ich) spaltet. Knochenstücke fliegen umher, Fleischstücken kleben überall auf dem Asphalt. Das um-den-Dreck-herumtrippeln habe ich schon in Nairobi abgelegt, mit den gleichen Flipflops, mit denen ich auf Mfangano im Bach gebadet habe, laufe ich jetzt über den Markt. Ich halte die Luft an und tauche an den Fleischern vorbei (ich kann ja schon die Fleisch- und Fischtheke in der Metro nicht ausstehen...) und wir kaufen lieber frische Kokosnuss bei einer zahnlosen alten Frau (bald mehr zum Thema "Vegetarisch in Afrika"...)

Marktfrauen am Straßenrand

Zurück mit dem Nollywood-Bus ins schwüle, Accra. Extra schwül vor allem deshalb, weil die Regierung den Strom für ein paar Tage abgestellt hat (Warum auch immer? Immer wenn wir uns das fragen, Warum, Why, but why?, antworten wir nur noch mit: "Why? Ghana, that''s why. That's Ghana for You!") Wir haben keinen Ventilator und kein fließend Wasser bis Dienstag Abend und statt langer Dusche gibt's also eine "bucket shower". Unser Kühlschrank fängt an zu stinken und auf dem Wohnzimmertisch entsteht ein Elektrogeräte-Friedhof, ein Laptop nach dem anderen, ein Handy nach dem anderen gibt den Geist auf. Wir essen bei Kerzenlicht und verschieben das Planen des Unterrichts auf die frühen Morgenstunden. Erste Welt Probleme, schätze ich.

Beste Grüße!

Die Kinder sind die wirklichen Lehrmeister der Menschheit (Peter Rosegger)

02Jan2014

mit Okpoti während der Holiday Classes

Holiday Classes in der Wisdom Academy: Statt strengem und monotonem Frontalunterricht haben wir viel Zeit zum voneinander-lernen: Wir lesen das Dschungelbuch, schreiben Briefe, lösen knifflige Matheaufgaben, quatschen, tanzen und trommeln, toben und sammeln schöne Wörter.

Als der Kleinste plötzlich zu tanzen anfängt und sein älterer Bruder mit den Stiften auf den Tisch trommelt, gucken wir verwirrt. Die weise Erklärung des kleinen Tänzers: "Oh - But madam, if you feel like dancing, you have to dance!"

If you don't imagine, nothing ever happens at all (John Green)

02Jan2014

Auf unserem Nachhauseweg von der Schule treffen wir im Dorf immer viele Kinder. "So what are you playing?", haben wir gestern neugierig die Kinder gefragt, die um einem Eimer Wasser und viele kleine alte Dosen versammelt waren. 

Dorfkinder in Teiman

"We play... we play... I don't know, there is no name. We put the water in the tins and then back and again.", versucht Josephine zu erklären. "But why?!", fragen wir verwirrt. "It is an ocean, Madam, look. You must imagine to see."

Jonathan

Happy New Year

01Jan2014

Den Jahreswechsel am Strand zu verbringen, war für Mariah und mich was Besonderes: Barfuß am Lagerfeuer zu Live-Reggae-Musik tanzen, Feuerwerk bestaunen und am Strand gespannt auf den ersten Sonnenaufgang des neuen Jahres warten.

Der erste Sonnenaufgang des Jahres

Euch allen wünsche ich ein erlebnisreichens und gesegnetes Jahr 2014.

am frühen Morgen wird aufgeräumt- oder ausgeschlafen