Berichte von 12/2013

Maybe I'm brainless, maybe I'm wise, but you've got me seeing through different eyes. Somehow I've fallen under your spell, and somehow I'm feeling it's up that I fell (Idina Menzel)

29Dez2013

Poverty Tourism, Gemeinschaft leben und Warum die Zeit in Kenia mich so glücklich gemacht hat 

Hier in Ghana treffe ich zum ersten Mal „Poverty Tourists“, Reisende, die aus für ein paar Urlaubstage oder -wochen Einblicke bekommen wollen in das Leben der Menschen in der dritten Welt. Sie kommen hierher – Ghana ist da ein beliebtes Reiseziel, da es sehr sicher und dennoch in vielen Gegenden sehr arm ist – sie wohnen in gewohnt komfortablen Unterkünften mit heißem Wasser und Klimaanlage und besuchen tagsüber Dörfer und Slums, arbeiten in Schulen und Waisenhäusern mit.

Poverty Tourism hat eine Art von oben herab, die wenig hilft, weil sie die Grenzen nicht aufbricht und nicht verändern, sondern beobachten will. Slumbesuche können augenöffnend sein, hinterlassen garantiert ihre Spuren und der Armut und dem Leid ein Gesicht zu geben, ist ein erster und wichtiger Schritt. Dass wir Shirts made in Taiwan tragen, ist nur deshalb möglich, da bin ich mir sicher, weil es so leicht ist die Augen zu verschließen, und weil wir die Kinder nicht kennen, die für einen Hungerlohn unter unwürdigen Bedingungen stundenlang daran gearbeitet haben. Ich glaube aber, dass Poverty Tourism nie das ganze Bild vermitteln kann und wie ein Besuch im Zoo und deshalb ziemlich pervers ist. Es gibt einen Unterschied zwischen Mitleid und Mitleiden, zwischen Ich-schau-mir-mal-kurz-deine-Welt-an-bevor-ich-meinen-Starbucks-trinke und Ich-geh-ein-Stück-in-deinen-Schuhen. Beziehungsweise, in deinen kaputten und viel zu kleinen Plastikflipflops.

Aber wieder einmal: Urteilen ist nicht angebracht, denn jeder reist und lebt auf seine Art, und Beobachten und Interesse zeigen ist sicher besser als die Augen zu verschließen, und sicher sind ich und meine Volunteerkollegen in vielerlei Hinsicht nicht besser und ich frage mich, ob sechs Monate Freiwilligenarbeit nicht auch irgendwo eine Art großer Poverty Tourism sind.


Mit den Menschen leben, ihr Brot essen, den Staub ihrer Slums an den Füßen haben und wochenlang nicht abgewaschen bekommen ist es jedoch, was Herzen verändert und Beziehungen schafft. Was den Mamas im Slum zeigt, dass es Hoffnung gibt, weil sich jemand tatsächlich interessiert und weil jemand ihnen beim Abwasch hilft. Was aber vor allem mir zeigt, dass es Hoffnung gibt, weil es Orte gibt, die trotz aller Abgefucktheit so viel Menschlichkeit, Wärme und Warmherzigkeit bewahren können, und weil es Menschen gibt wie Glorias Papa, der mit seinem gebrochenen und nie wieder zusammengewachsenen Arm so voller Dankbarkeit ist, dass seine Töchter gesund sind und zur Schule gehen, der jeden Tag Gott lobt für das Lachen auf ihren Lippen und für die kleine Portion Ugali auf dem Teller.

Ich will mehr und gleichzeitig weniger sein als eine junge weiße Frau, die großzügigerweise ihr Geld teilt und ihre Zeit den armen, afrikanischen Kindern im Slum widmet. Die ein paar Stunden im Dreck verbringt, mitleidsvoll etwas gutgemeinten, aber doch schlechten Englischunterricht hält und abends in ihre heile Welt zurückkehrt. Und ohne Zweifel bin ich nicht ganz eingetaucht in ihre Welt, allein meine Hautfarbe macht es unmöglich, mich unbemerkt unterzumischen, immer steht „Mzungu“ fett auf meiner Stirn, „Mzungu, eigentlich gehörst du nicht hierher“, schreien meine Hautfarbe, meine blonden Haare, meine blauen Augen. Und mein Herz jedoch gehört überall dorthin, wo ich war und wo ich Menschen getroffen hab, die mich wie eine Schwester und Tochter aufgenommen haben.

Die erste Kenianerin, die ich traf, hat mir gezeigt, wie es geht, noch bevor ich Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt habe: Im Flugzeug, gerade die final parking position am Nairobi Airport erreicht, die Anschnallzeichen noch nicht ganz erloschen, drängten sich alle hektisch nach draußen- wir hatten vier Stunden Verspätung und viele Passagiere mussten Anschlussfluge erreichen. Ich ließ einige Eilende vor. Aber diese fremde Dame blieb stehen, lächelte und nickte mir zu: „Go ahead.“ „But- aren't you in a hurry?“, fragte ich nach, zögernd, ich wollte sie nicht länger aufhalten. „Yes I am, but you are my daughter and I will take care of you. After you, mtoto.“

 

Selbst beim Reisen konnten wir es so kenianisch wie möglich halten: Nachtbusse und klapprige Matatus, schäbige, kleine Hotels und Zelte, Mandazi zum Frühstück und Bohnen zum Mittag, und einen großen Bogen um Touristenstrände. Stattdessen mit den Dorfkindern planschen und uns zeigen lassen, von welcher Klippe man am Besten ins Meer springen kann. Nachts Nairobi "Nairobbery" und Mombasa erkunden, weil jede Stadt nachts ganz anders ist als am Tag. Ein Pikipiki, dessen Speedometer nicht funktioniert, dessen Batterie immer rausfällt und dessen Tank mit einer Nadel geöffnet werden muss, auf dem Nairobi-Mombasa-Highway fahren, einfach weil es billiger und näher am Leben ist als eine Fahrt mit dem Taxi. Im Viktoriasee baden, auch wenn in Reiseführern davon abgeraten wird; wie sonst soll man sauber werden hier (wenn man nicht im Luxushotel auf der anderen Seite der Insel einchecken will)? Alles Dinge, die irgendwie ein bisschen angsteinflößend sein können und in Reiseführern mit einem großen roten Warndreieick markiert sind. We all know fear. But passion makes us fearless.

Have no fear of robbers or murderers. They are external dangers, petty dangers. We should fear ourselves. Prejudices are the real robbers; vices the real murderers. The great dangers are within us. Why worry about what threatens our heads or our purses? Let us think instead of what threatens our souls. (Victor Hugo, Les Misérables)

Dabei haben wir unzählige Menschen kennenlernen und ihre Geschichten hören dürfen, und wir haben unsere erzählt, vom Studieren in Europa, vom Schnee in den Bergen und von Lucy und Christon und John Kamau in Mowlem. Einer der Rastapiraten auf Lamu, Kamau Coconut Man, vierzig Jahre alt, kaputte Zähne und einen Joint im Mund, fragt mich: "Wie ist es so in Deutschland mit Ost und West, merkt man noch viel dass es mal eine Mauer gab?" Was? Er kann doch nicht mal schreiben, der Coconut Man. Wir reden über Weltpolitik und Krieg und Frieden, während er mir zeigt, wie man Knöpfe aus Kokosnussschalen fertigt. 

 Eine Stunde auf die Frühstücksmandazi zu warten, weil die Mandazifrau wegen des Regens in der Nacht noch kein Feuer machen konnte auf dem nassen Holz und nicht angefangen hat mit dem Backen, könnte unangenehm sein aus westlicher Sicht voller Hektik und Zeitnot. Aber sie läd mich ein, auf einer klapprigen Bank Platz zu nehmen, setzt mir ihr Baby auf den Schoß und fängt an, den Teig auszurollen und zu reden. Als sie fertig geredet hat, schneidet sie den Teig in Stücke und hört zu. Eine dreiviertel Stunde später beiße ich endlich in eine heiße, fettige Mandazi, es ist halb elf jetzt und ich merke wieder, wie hungrig ich bin; das beste Frühstück, das ich je hatte.

 

Das Leben hier ist weit weg von Modediskussionen und all-you-can-eat-Buffets, neuesten Smartphones und schnellen Autos, von Abenden vor dem Fernseher oder Computer, von leeren Gesprächen mit uninteressierten Kommilitonen und von Vorlesungen, die so unendlich wenig mit dem Leben zu tun haben. Es ist umso näher an Beziehungen und Menschen, an gemeinsamer Zeit und Zeit-füreinander-nehmen, an aus-einem-Topf-essen und am Wolken beobachten.

Wir haben mit den Kindern in Mowlem gegessen, vier Kilo Reis, zwei Zwiebeln und fünf Tomaten für 56 Kinder und fünf Erwachsene; wir haben gemeinsam geklagt, als kein Wasser mehr aus dem Hahn an kam heißen Sonnentagen im November, und gemeinsam getanzt, als Ken die Matheaufgabe verstanden hat. Wir haben in ihrem Staub gespielt; ihr „Bad“ benutzt und ihre Sprache gelernt. Abends waren wir so siffig wie sie und so glücklich, wie es nur geht. Habe ich ihre Hand genommen, oder sie meine?

Maxwell und John Kamau in Mowlem

 

Have you got heart? 
Have you got soul?
Have you got anything at all?
Do you know passion?
Do you know pain?
Have you got the courage to try again?
Are you in it for the money?
Are you in it for the love?
Do you know what you're dreaming of?

(Jose Vanders)

Leseempfehlung: TheBarefootBeat.com

29Dez2013

Meine Volunteerkollegin Mariah aus den USA schreibt in ihrem Reiseblog http://www.thebarefootbeat.com immer mal wieder etwas über ihre Zeit in Ghana, Sie schreibt gut und persönlich, vielleicht habt ihr Interesse mal vorbeizuschauen und z.B. ihren neuesten Eintrag über Weihnachten in Ghana zu lesen.

http://www.thebarefootbeat.com/2013/12/28/christmas-in-ghana/

Education is the most powerful weapon which you can use to change the world (Nelson Mandela)

28Dez2013

Update aus Nairobi

Per Mail und Facebook stehe ich noch in engem Kontakt zu meiner Gastfamilie in Nairobi und zu vielen Volunteers, die grade vor Ort sind. Über die Weihnachtsferien hat sich die Situation leider so entwickelt, dass wir aus unseren bisherigen Schulräumen ausziehen mussten, da der Vermieter einen anderen Mieter gefunden hat, der ein paar Schilling mehr pro Monat zahlen kann. Wo bis vor kurzem 56 Kinder halbtags ein Zuhause hatten, lesen und rechnen lernen und ungestört toben konnten, ein Frühstück und ein Mittagessen bekommen haben, wo noch das Alphabet in bunten Buchstaben an der Wand steht, ist jetzt eine Lagerhalle („Halle“ ist ein ungeeignetes Wort, da es den Eindruck von Geräumigkeit vermitteln könnte- na ja). Von heute auf morgen hatten wir kein Gebäude mehr und sind vorübergehend in andere, noch viel kleinere Räume ausgewichen. Als wir auch da auf Dauer nicht bleiben konnten, wurde schließlich auf der Straße unterrichtet. Den Kindern weiterhin die Möglichkeit auf Schule und Bildung aufrechtzuerhalten, ist wichtig: Dadurch, dass sie lesen und schreiben lernen, erhöhen sich ihre Chancen, aus den Slums herauszukommen, enorm; das regelmäßige Frühstück und Mittagessen hält sie einigermaßen fit und das Spielen in geschütztem Rahmen erlaubt es ihnen, aus den engem Wohnräumen heraus- und von der Straße wegzukommen.

Ich bin wirklich beeindruckt und berührt von der Liebe und Leidenschaft, die Alice und die Volunteers für die Kinder in Mowlem haben und für die Kraft und Ausdauer, die sie jeden Tag aufbringen! 

Minna unterrichtet auf der Straße

So intensiv und notwendig das Lernen und Unterrichten auf der Straße ist, so anstrengend und kraftraubend ist es für alle. Staub bei Sonne, Matsch bei Regen, Müll, keine Toilette, viele andere Menschen, Hühner, Ziegen- eine annähernd geeignete Lernumgebung sieht ganz anders aus. Wir versuchen deshalb, neue Räume in der Wohngegend der Kinder zu finden- langfristig wollen wir ein Grundstück erwerben und in einem eigenen Gebäude unterrichten, da das sehr viel günstiger ist. Einige Spendengelder konnten wir dafür schon anlegen.

Seid dabei!

Wenn ihr zum Bau der Schule beitragen möchtet, freuen wir uns sehr. Betet für uns und neue Möglichkeiten für die Schule und die Kinder in Mowlem. Auch auf Spenden sind wir angewiesen und deshalb dankbar für jede finanzielle Unterstützung (Kleinvieh macht auch Mist, also wenn ihr am Ende des Jahres noch fünf Euro übrig habt und nicht wisst wohin damit- die Kinder und ihre Familien würden sich freuen).

Ich gebe Euch hier eine internationale Bankverbindung, falls ihr spenden möchtet (bitte mailt mir, falls ihr etwas spendet- dann kann ich es an Alice weitergeben und sie kann schauen, dass es ankommt- sicher ist sicher bei kenianischen Banken). Bei internationalen Überweisungen fallen oft ein paar Kosten an. Wieviel das genau ist, weiß ich nicht, aber gerade bei kleineren Beträgen könnte es sich nicht lohnen. Ihr könnt deshalb auch gerne das Geld erst mal auf mein Konto überweisen, und ich übertrage es dann in ein paar Wochen gesammelt auf das kenianische Spendenkonto. Mailt mir gerne, wenn ihr noch etwas wissen möchtet! 

Selbstverständlich halte ich Euch über die Entwicklungen in Nairobi auf dem Laufenden.

 

Swift Code: KCOOKENA

Bank: Cooperative Bank

Account Name: Safisha Africa Welfare Foundation

Account Number: 01128102439100

Branch: Buruburu

Improvisiertes Klassenzimmer

Danke für Eure Untersütztung jeder Art!

Yes, please use your brain

28Dez2013

Infos zur Organisation und unserer Arbeit in Ghana

Die Non-Profit-Organisation, TANF, für die ich im Moment in Ghana arbeite, ist noch recht klein und jung, aber voller Potenzial. Pastor Laud Kwaku Akuffo, 24, hat TANF gegründet, um mehr Kinder in Ghana mit Schulbildung versorgen zu können. Bisher läuft das Projekt an einer Schule, der Wisdom Academy in Teiman, Greater Accra Region. Internationale Volunteers und einheimische Lehrer arbeiten dort gemeinsam. In Zukunft soll das Projekt auch auf andere Schulen und Dörfer ausgeweitet werden.

 

Offiziell gibt es kostenlose Schuldbildung für in Ghana. Es gibt öffentliche Schulen, die jedes Kind besuchen darf. In der Realität sieht das dann aber so aus, dass auf die Familien der Kinder trotzdem recht hohe Kosten zukommen: Die Schulen müssen Beiträge für Möbel, Essen, Schuluniformen, Wasser und Material verlangen, um aufrecht erhalten werden zu können. Diese Beiträge sind für viele Familien unmöglich aufzubringen. So gibt es kostenlosen Unterricht und gleiche Bildungschancen nur theoretisch und in den Orten sieht man- trotz offizieller Schulpflicht- immer viele Kinder, die nicht zur Schule gehen (und stattdessen arbeiten). Die Situation in einem überschaubaren, friedlichen Dorf hier im recht weit entwickelten Ghana ist sicherlich längst nicht so dramatisch und miserabel wie die Lage der Kinder in den Slums von Nairobi, die Probleme sind ganz andere- dennoch, wenn wir Bildung als Menschenrecht ansehen, muss auch hier viel passieren.

Spielen muss sein!

TANF sponsert bisher fast zwanzig Schüler. Mithilfe von Spendengeldern können komplette Schullaufbahnen dieser Kinder finanziert werden. Zudem helfen internationale Freiwillige in der Schule aus. Klassengrößen von sechzig Schülern sind ganz normal in Ghana, machen sinnvollen Unterricht aber eigentlich unmöglich. Durch die Unterstützung ehrenamtlicher Mitarbeiter können die Klassen geteilt oder einzelne Schüler intensiver betreut werden. Die Volunteers bieten auch oft Ferienunterricht oder Arbeitsgemeinschaften an, um Bereiche abzudecken, die im Schulalltag nicht berücksichtigt werden, wie zum Beispiel Kunst, Literatur, kreatives Schreiben; oder allgemein Aufgaben, die das eigenständige Denken und kritische Hinterfragen fördern (das sind sie nämlich gar nicht gewohnt, und als wir ihnen letztens eine kreative Schreibaufgabe gegeben haben, die mehr fordert als von-der-Tafel-abschreiben, fragt ein Schüler verwirrt: „Madam! How am I supposed to do it, madam? Should we use our brain?“- Ja, bitte. Ausnahmsweise. Weil Weihnachten ist.

Holiday Classes mit Madam Mariah und Madam Jennifer. Das Huhn guckt zu.

Die Volunteers bringen auch immer wieder Kleidung und Schulmaterial mit, das wir an die Schüler verteilen oder im Unterricht gut gebrauchen können.

Zukünftig sollen alle Schüler der Schule eine Krankenversicherung finanziert bekommen, sodass ihnen ärztliche Versorgung zusteht und sie kostenlos Medikamente erhalten können.

Des Weiteren sollen vergleichbare Projekte in anderen Orten und Schulen aufgebaut werden. Heute durften Mariah und ich mit Laud nach Gomoa Akrofong in der Central Region fahren, um potenzielle Partnerschulen und Gastfamilien für Volunteers zu besuchen.

mit Pastor Laud in einer zukünftigen Kooperationsschule

Es ist spannend, die Arbeit von TANF sowohl im Schulalltag als auch in der Planung und Organisation so intensiv miterleben zu können. Ich bin beeindruckt, wie gut organisiert die ganze Sache ist („die ganze Sache“ heißt nicht etwa „die Schule und der Unterricht“ ;-))! Laud steckt voller Ideen und voller Leidenschaft für das Projekt und für die Kinder. Ich bin sicher, dass hier sehr viel Gutes entsteht und dass viele Kinder von der Arbeit profitieren können.

 

Merry Christmas from Ghana

24Dez2013

Fröhliche Grüße aus Ghana! Desmond: Wer mit sechs Jahren schon so tanzt, muss es im Blut haben Christmas Madness

WG Weihnacht: Fermentierter Maisbrei als Festessen und ein bemitleidenswerter Christbaum. Immerhin tolle Leute! :-)

 

 

Was bleibt

22Dez2013

Schmucklose Weihnacht bei mindestens 25 Grad zuviel

Bilder von strahlenden Weihnachtsbäumen, Haustieren mit Nikolausmützen und Freunden auf dem Weihnachtsmarkt (eingemümmelt in Schals und Jacken, Glühwein in den handschuhverpackten Händen) dominieren in diesen Tagen Facebook und erinnern mich daran, dass wir tief im Advent stecken und Weihnachten ganz kurz vor der Tür steht.

Ich erinnere mich, wie schön die Kälte im Winter sein kann, wenn man sich mit Punsch aufwärmen kann und ich würde gerne sagen, dass ich mich abends neben dem „Adventskranz“ in meine Massai-Decke kuschele und Plätzchen esse. Aber wir haben keinen Ofen und deshalb keine Plätzchen, und diese Decke ist, dünn wie sie ist, viel zu warm. Wir strecken alle Viere von uns und hoffen, möglichst viel Luft vom Ventilator zugepustet zu bekommen. Ich nehme eine Dusche, das Kälteste was man hier kriegen kann bei 33 Grad im Schatten. Es fühlt sich immer noch extrem nach Sommerbadeurlaub an. Auch die wenigen roten glitzernden Kugeln an den Palmen hier sind einfach nicht überzeugend genug: Ich fühle mich ein bisschen wie in einer Parallelwelt ohne den ganzen Erste-Welt-Weihnachtsfimmel.

Vierter Advent in der Volunteer-WG mit Jennifer aus Belgien, Adam aus Polen, Laud aus Ghana und Mariah aus den USA (die macht das Foto)

Wir haben ein freiwilliges Ferienprogramm in der Schule organisiert und unterrichten und lernen (ein bisschen), toben, singen, tanzen und spielen (hauptsächlich) mit den Kindern. Heute haben wir Weihnachtskarten gebastelt: Auf zusammengefaltetes Druckerpapier haben die Kinder selbstgeschriebene Gedichte und Verse geschrieben. Um die kreative Schreibaufgabe („Write a Christmas poem“) vorzubereiten, haben wir an der Tafel Weihnachtswörter gesammelt. Was bleibt, wenn „Weihnachtsbaum“, „Plätzchen“ und „Schnee“ wegfallen, wenn kein Geld für ein besonderes Weihnachtsessen da ist und erst Recht nicht für Deko? An der Tafel stand schließlich „joy“, „family and friends“, „the birth of Jesus Christ“, „to dance and sing“, „to enjoy“, „to celebrate“, „gratitude“, „church“ und „grace“.

Morgen steigt die Christmasparty in der Schule mit gebratenem Reis für alle und viel Tanz; und Mariah, die Freiwillige aus den USA, und ich planen ein kleines Weihnachtsessen für Mittwoch. Frischer Granatapfel statt Bratapfel und kalter Ananassaft statt heißer Punsch sind im Endeffekt nicht so übel, und auf Plätzchen zu verzichten heißt immerhin, in Form zu bleiben ;-)

Ich wünsche Euch allen ein schönes und gesegnetes Weihnachten, wo immer ihr seid, ob mit echter Tanne und Lebkuchen oder ohne. Ich denk an Euch!

Wherever I go I'm already home (Jason Mraz)

18Dez2013

Ankunft in Ghana

Ich bin gut angekommen in Ghana und wohne jetzt in einem kleinen Vorort von Accra. Ruhig und übersichtlich, Hütten und Häuschen, ein paar Shops und Straßengrills und ein paar kleine Schulen, so auch die Wisdom Academy, wo ich mit den anderen Volunteers arbeite. Der nächste Ort, Madina, hat dann das Chaos und den Trubel, den ich aus Nairobi kenne (und an den ich mich so gut gwöhnt habe). Auch Accra selbst ist gut mit Bussen zu erreichen.

Freundliche Menschen, tolle, farbenfrohe Kleider, gebackene Bananen, süße Ananas, und tanzende Kinder- das sind meine ersten Eindrücke aus Ghana und ich fühle mich wohl! Auch wenn ich jetzt schon Kenya vermisse...

Erstes Highlight war der morgendliche Worship in der Schule- das steht auf dem Stundenplan und bedeutet, dass alle gemeinsam singen (kreischen?) und im Klassenraum und auf dem Hof abzappeln- aber vom Feinsten. Ist quasi mein tägliches Workout hier, eine Stunde lang mit den Kindern tanzen. Die haben's echt drauf, und es ist Freude pur. Jeder tanzt und singt, ein paar Jungs geben den Beat vor und kloppen mit Stöcken auf die Pulte ein, zwischendurch kommt die Köchin mit dem Würstchentopf auf dem Kopf vorbei und macht mit und wenn alle nass geschwitzt sind, sponsort eine Lehrerin ein paar Tütchen Wasser (Wasser gibt es hier eingeschweißt in Plastiktütchen) und eine Wasserschlacht beginnt im Klassenzimmer. Für den Unterricht anschließend sind alle ordentlich ausgelastet; "Pferderennen" und Zappelpausen sind hier überflüssig, und Rythmus- und Klatschübungen sind definitiv nicht für diese Kinder hier erfunden worden. 

In Vorbereitung auf Weihnachten singen wir auch fleißig Christmas Carols. "I CAN HEAR THE ANGELS SING, A KING WAS BORN TODAY" von fünzfig fröhlich kreischenden, trommelnden und auf den Tischen tanzenden Kindern gesungen- ich hab die Botschaft nie mehr geglaubt als heute morgen.

Hier ist ein Video, das ein früherer Volunteer mit den Kindern gemacht hat. Viel Spaß beim Anschauen und mittanzen ;-)

Abschied von Nairobi

15Dez2013

Dritter Advent und Abschied mit der ganzen Familie, drei weiteren Volunteer-Mädels und neun deutschen Couchsurfern!

Mama Alice und ein kleines Abschiedsgeschenk

Die letzten zwei Monate hier sind unglaublich schnell vergangen und ich hatte eine wunderbare Zeit in einer tollen Familie und gutem Projekt. Ich bin sehr dankbar für die vielen herzlichen Menschen, die ich treffen und mit denen ich leben durfte, und für die bereichernden und vielseitigen Erfahrungen. Der Abschied fällt nicht leicht und ich würde mich freuen, nochmal wiederzukommen zu können. In ein paar Stunden verlasse ich ein großartiges Land und freue mich auf Ghana und alles, was mich dort erwartet.

Danke für Eure Unterstützung aus der Heimat, für eure Gebete und Emails!

Bis bald aus Ghana!

I hate it when we have to say "Pole Mtoto hakuna maji leo- Sorry child there is no water today"

13Dez2013

Während auf Twitter mit dem #FirstWorldProblems-Hashtag "Alltagsprobleme" der ersten Welt gepostet werden, antwortet die Kampagne "Water For Life" mit diesem Video. Ich bin im Internet darauf aufmerksam geworden und kenne die Kampagne nicht genauer, kann mittlerweile aber das Gefühl nachvollziehen, wenn kein Tropfen aus dem Hahn kommt. Die kenianische Regierung ist (offiziell) bemüht, alle Wohngegenden im Land mit Trinkwasser zu versorgen. 

Gestern war übrigens Independence Day, 50 Jahre Kenia. Wo letzte Woche zu Ehren Mandelas noch alle Fahnen auf Halbmast hingen, ist jetzt alles ist in rot-grün-weiß-schwarze Freude gehüllt und alle feiern die Unanhängigkeit der Kenianer und ihre korrupten Politiker.

All around you, people will be tiptoeing through life, just to arrive at death safely. But dear children, don't tiptoe. Run, hop, skip and dance, just don't tiptoe. (Shane Claiborne)

10Dez2013

Rucksackreisen zu viert in Kenya- ein paar Eindrücke

Nickerchen am Fähranleger Improvisierter Zweiter Advent auf Lamu Nairobi Train Station

 

das günstigste und schmuddeligste Hotel in Voi, was brauchen wir mehr? Mosquito Nets and Ceiling Fans- müde Jungs genießen de Platz im Bett am Morgen Abendessen auf dem Dach unseres Hotels in Voi

We are fools whether we dance or not, so we might as well dance

09Dez2013

The Floating Bar zwischen Lamu und Manda Sunset Dances

Und hier ein paar aktuelle East African Beats für Euch ;-)

Oh Darling, let's be Adventurers

08Dez2013

Letzer Stopp auf Lamu an der Nordküste: Rasta-Pirates, Coconuts and more amazing people.

mit dem Rainbow Boat zum Shela Beach und nach Manda zu Gast bei Nasra und ihrer Familie: Sie bemalt uns die Füße und wir lernen über's Leben auf Lamu Segeln im indischen Ozean mit ein paar Locals

Richtung somalische Grenze liegt das Lamu-Archipel, ruhig und friedlich, Strand, Mangrovenbäume, Kokospalmen. Seele baumeln lassen, segeln, tanzen- ein paar letzte Urlaubstage. Man glangt dorthin nur durchs somalische Grenzgebiet (um die Militärkontrollen kurz zusammenzufassen: Ich habe schon klüger gehandelt, als ohne Visum durch solche Gegenden zu fahren). Die Rückreise ist dann so entspannt, wie 30 Stunden in kenianischen (Nacht)Bussen nur sein können. Jetzt bin ich wieder in Nairobi- gut, wieder "zu Hause" zu sein, und schon muss ich packen für Ghana.

Mosquito Nets and Ceiling Fans

03Dez2013

Mombasa! Bamburi Beach, Badewannenheißer Ozean, Kamele, Gewürze, Multikulturell.

Spice Market Ich lerne wie man Sandalen herstellt und bekomme promt ein Jobangebot! ;-)

"You know how when you open the oven "Oh I wonder how the pizza is doing?" and the heat just hits you? This is how you feel when getting off the bus in Basa"