Berichte von 10/2013

Lonely Happy Halloween Nairobi

31Okt2013

Kacy (der Amerikaner, der jetzt aber nicht mehr hier im Haus wohnt), hat uns zu einer Halloweenparty eingeladen! In Gikombu- da ist ein riesiger, trubeliger Secondhandmarkt-haben wir uns spontan Kostüme besorgt. Man soll es nicht meinen, aber wir haben für William einen Piratenhut, Hemd und Gürtel; für Kacy diesen Tigerhut mit Accessoires und für Anja und mich die Kleider, Hüte und Gürtel gefunden (für keine 1,80 Euro pro Person). Wer wohl sonst Hexenhüte dort kauft, wo hier doch fast niemand Halloween (geschweige denn Karneval) kennt?

Jedenfalls haben wir uns schick gemacht und sind verkleidet mit den Matatus nach Westlands gefahren (als bekäme man als Mzungu nicht schon genug Aufmerksamkeit...). Die meisten Leute hier kennen Halloween nicht und müssen uns für reichlich bekloppt gehalten haben- was den Spaßfaktor an der ganzen Aktion extrem erhöht hat (schon mal Kinder erschreckt, die nicht mal wissen, dass Halloween ist?). Naja- aber auf der Fete sollten wir ja dann unter Gleichgesinnten sein.

mit Kacy und William

In der Hotelbar in Westlands (Security, Siebter Stock, irgendwie nicht unsere Welt hier), war dann auch alles mit Kürbissen und Spinnennetzen dekoriert. Leider war außer einer Kellnerin sonst niemand verkleidet. Das Heineken-Team (die Veranstaltung war von Heineken gesponsert) hat sich aber über uns gefreut und gleich ein paar Fotos für die Website geschossen. Ganz zögerlich tauchten dann aber immer mehr Kotümierte auf (vielleicht so zwanzig Leute), und als wir aufbrechen wollen, nachdem wir stundenlang an unserer überteuerten Cola genuckelt hatten, hat uns die Hexen-Kellnerin dann einen Eimer Heineken aufs Haus gebracht- immerhin seien wir extra kostümiert hergekommen...

Unser Gastbruder William, der ganz unauffällig als Pirat verkleidet war, hat sich wohl auch gefragt, was so der ganze Hype um Halloween soll (wir haben verzweifelt versucht zu erklären, dass in Amerika und selbst in Deutschland da wesentlich mehr abgeht und dass Verkleiden echt eine tolle Sache ist).

Trotzdem: Coole Nacht, und wie Kacy erklärt: What would your life be without that little awkwardness?!

Girls will be Girls, Boys will be Boys

28Okt2013

Die Mädels öffnen mit Nägeln und Stöckchen geschickt die Zöpfchen ihrer Mitschülerin, die Jungs werden energisch verscheucht: Frauensache!

die Jungs toben lieber: Wettrennen im kleinen Hof

... denn sie haben ihre eigenen Gedanken (Khalil Gibran)

28Okt2013

Freundinnen Teresa frisiert falls es Wasser gibt, wird sich vor dem Essen die Hände gewaschen. Manchmal gibt's im ganzen Viertel aber auch keinen Tropfen Mary ist vor dem Klassenraum eingeschlafen

Kreative Langeweile: dieser kleine Racker sabbert Papierschnipsel an und pappt sie sich auf die Stirn- warum nicht.  Massi und Lucy

Kleine Fotogalerie

27Okt2013

 

ErstklässlerinPausengespräche eine der Jungs auf dem Hof Quatschköpfe Sonnenschein schüchtern Hallo Kamera Träumerin

Kinder bei uns in der Nachbarschaft Sonntagnachmittagsspiele

E is for Elephant, M is for Mango, Y is for Yam...

23Okt2013

… nur das Xylophon muss auch in kenianischen Anlauttabellen für das X herhalten. Den zweiten Schultag im neuen Quartal haben Teacher Anja und ich erfolgreich gemeistert. Erfolgreich heißt: Alle Kinder haben zumindest irgendwas in ihren zerfledderten Heften bearbeitet, zumindest einmal am Tag einen der Bleistiftstummel abbekommen und eine Portion Reis gegessen. Dass mal jemand heult ist an der Tagesordnung, und dass jemand ins offene Feuer fällt, auf dem wir kochen, passiert ohnehin nie (wie die das machen- keine Ahnung, bei uns gibt’s ja schon bei Weihnachtsteelichten auf dem Lehrerpult Verletzte).

Schlange stehen für's MittagessenOb die Kinder von uns heute so viel gelernt haben, möchte ich bezweifeln, aber ich habe auf jeden Fall schon dazugelernt: Dass man Bleistifte solange benutzen kann, bis man sie nicht mehr anspitzen kann, weil sie nicht mehr aus dem Spitzer rausgucken, zum Beispiel. Die Schule in Mowlem ist natürlich nicht zu vergleichen mit unseren Schule in Deutschland. Wie alles hier ist es entspannt (Curriculum? Tagesplan? Lernziele?) und angefangen wird, wenn die Lehrerin da ist. Die bringt ihren kleinen Sohn mit, der zwischen den 42 Kindern, Plastikstühlchen, Holztischen und viel Staub im Klassenraum von der Größe meiner Studentenbude (keine zwanzig Quadratmeter) tapfere erste Gehversuche wagt und eben auch mal gestillt werden oder davon abgehalten werden muss, Steine oder die Bleistiftstummel zu futtern. Die Kleinsten bekommen im engen Raum leider auch keine Sitzplätze ab und sitzen unter der Tafel (so gestaltet sich der Tafelanschrieb sportlich), aber sie sind erst drei und verstehen sowieso nicht ganz, was wir machen. Wenn sie einen Buntstift finden, können sie malen (Bilder ausmalen geht maximal zweifarbig). Es gibt zwei Schulfächer: Englisch und Mathe, und Individualisieren wird hier ganz groß geschrieben: Während des Unterrichts schnappen wir uns die Hefte der Kinder und entwerfen nach einem kurzen Blick auf die vorherigen Aufgaben und den Lernstand jedes Kindes spontan ein paar Schreib- oder Rechenaufgaben für sie (hat jetzt zur Folge, dass einige erstmal ne halbe Stunde auf ihr Heft warten müssen, aber so klappt es wenigstens mit dem Abwechseln der Bleistifte). In den Pausen wird auf dem kleinen Hof gekreischt und gespielt (Fußball und Klatschspiele sind auch hier voll angesagt) und vor allem viel gelacht.

Facepainting in der Pause

Die Kinder sind zerlumpt und siffig, sehr fröhlich und zuckersüß, manchmal auch ein bisschen müde (dann legen sie sich einfach im Hof in den Staub und ratzen). Wenn wir nachmittags mit Brother Lawrence nach Hause gehen (er unterrichtet die Älteren nebenan und ohne ihn sollen wir nicht alleine den abgekürzten Weg zur Schule gehen) sind wir so siffig wie die Kleinen, ziemlich müde, aber zufrieden.

Blonde Haare und Muttermale sind immer wieder faszinierend

Die ganze Bande

22Okt2013

Hier im Haus ist immer viel los, und im Moment ist viel im Umbruch, Lilian und Kacey ziehen aus, bald kommen Neue, und gestern Abend gab's einen Überraschungsbesuch von Walter aus Amsterdam.

Anja, Grace, Lawrence, Lena, Alice, Walter, William, Steve, Lilian & Kacey

Ein kleiner Fan der deutschen Fußballnationalmannschaft!

20Okt2013

Deutschlandfans in Nairobi!

Mzungus, Japatis & The Evil Black Bus of Doom

19Okt2013

Viele Grüße aus Nairobi! Seit ein paar Tagen bin ich hier, hab schon viel Neues kennengelernt und mich gleich sehr gut eingelebt. Mir geht es sehr gut und ich bin glücklich und dankbar, hier sein zu dürfen! Mittlerweile habe ich Internet (einen „Internet Everywhere“ Router, wobei der Name nicht unbedingt Programm ist, es ist eher ein „Internet nur draußen auf dem Hof hinten links in der Ecke“), also will ich mich mal bei Euch melden und ein bisschen berichten. Wenn ihr auf die Fotos klickt, könnt ihr sie groß sehen und auch ein bisschen was dazu lesen.

Vielleicht interessiert euch, wie ich hier wohne: Ich wohne mit Alice, der Leiterin der Organisation, ihren vier Kindern Grace, Lawrence, William, und Steven (alle so zwischen 16 und 24) und weiteren jungen Freiwilligen aus den USA, der Schweiz, England und Malaysia zusammen.

Brüder beim Kochen: Lawrence und Gabe machen den Teig für Japati (eine Art frittierte Zimtpfannekuchen)

Insgesamt sind wir zu neunt in einem großen, aber sehr einfachen Haus. Wasser und Strom gibt’s, und seit heute habe ich sogar mein eigenes Zimmer, da Gabriel, ein Freiwilliger aus England, mit dem ich mich gleich gut verstanden habe, für ein paar Wochen in eine Stadt südlich von hier geht und ich das Zimmer, in dem er in den letzten Wochen gewohnt hat, beziehen kann. Es ist quasi eine große familiäre WG, und die Stimmung ist immer herzlich.

Mein Zimmer

Mit William und Anja, einer Freiwilligen aus der Schweiz, arbeite ich in der Schule, wobei es da erst am Montag wieder richtig losgeht. So hatte ich in den ersten Tagen viel Zeit, die Stadt kennenzulernen: Groß, laut, trubelig, dreckig, hektisch, ganz anders als Europa, aber insgesamt wunderbar! Wir wohnen etwas außerhalb der Innenstadt und müssen einen Bus ins Zentrum nehmen. Am angenehmsten und sichersten wäre wohl einer der offiziellen Busgesellschaft, aber die kommen nicht so regelmäßig wie Matatus- „evil black buses of doom“, wie Gabriel und ich sie nennen. Für umgerechnet 15 Cent wird man auf Umwegen durch die abgefahrensten Viertel (man will ja möglichst viele Passagiere aufgabeln) in die Stadt gebracht. Die Busse sind schwarz und ein bisschen bunt bemalt, tragen Namen und Mottos („Citi Hoppa“, „Jesus Swag“,...), sind mit bunten LEDs und Unterbodenbeleutung aufgemotzt, die Hip-Hop- Musik wird voll aufgedreht, man quetscht sich (mit einer Hand zum festhalten, der anderen am Geld) auf die Sitze und dann wird jedes Schlagloch und jeder Krater auf der „Straße“ mitgenommen. Die Schaffner hängen bei voller Fahrt aus der offenen Tür und halten nach neuen Fahrgästen Ausschau. Findet sich einer am Straßenrand, geht der Fahrer voll in die Eisen. Das ganze Spektakel wird dadurch besonders interessant, da im Straßenverkehr noch tausend andere dieser Busse, Motoradtaxis, Autos, Fahrräder, Fußgänger und Straßenverkäufer unterwegs sind.

Gestern waren wir dann abends in der Stadt, um zu einem Couchsurfing-Treffen zu gehen. Nicht ganz ohne, aber mit so vielen Brüdern an der Seite kein Problem ;-) Das Treffen war toll, aber ein totaler Kontrast zu dem ärmlichen Leben bei uns in der Gegend. Das „reiche“ Nairobi haben wir dann anschließend beim Tanzen im Club weiter kennengelernt, dort fällt man als Weiße zwar auf, wird aber nicht so offen angeguckt oder angesprochen wie auf der Straße. Auf der Straße ist es ein ständiges „Mzungu!“ (Hallo, Weiße! Na das sollte man mal bei uns probieren... Hallo, Schwarzer!), an das man sich aber tatsächlich sehr schnell gewöhnt, vor allem wenn man feststellt, dass es nie aufdringlich oder unfreundlich gemeint ist. Der Kontrast zum „armen“ bzw. normalen Nairobi ist enorm, dazu schreibe ich später mehr, wenn ich von der Arbeit in der Schule und im Krankenhaus berichte.

  mit William und Gabriel auf dem Weg zum Couchsurfing- Treffen

Zur Zeit sieht es so aus, dass ich an vier Tagen in der Schule in Mowlem und an einem Tag im Krankenhaus (dort unterrichten und betreuen wir Kinder, die lange Zeit im Krankenhaus behandelt werden, aber keine Familien haben, die sich kümmern) arbeiten werde. An den Wochenenden wollen Anja und ich in die Umgebung reisen und Ausflüge machen. Für ein langes Wochenende werde ich auch runter nach Voi fahren, um Gabriel zu besuchen. Im Dezember dann ist die Schule geschlossen, sodass Anja und ich die Zeit zu einer längeren Reise nutzen können.

 

Ich hoffe, dass es euch im kalten Deutschland (aaahh, sorry, das musste ich einwerfen. Wir haben angenehme 25-30 Grad ;-)) auch gut geht und verabschiede mich erstmal. Viele Grüße an Euch! Ich freue mich von Euch zu hören! :-)

 

P.S. Geruchstechnisch, Stefan, ist es gar nicht so krass. Es riecht oft nach Feuer und Rauch (irgendwie machen alle auf der Straße Lagerfeuer, man kocht im Haus auf dem offenen Feuer...), in manchen Vierteln ordentlich nach Müll, oft nach gutem Essen oder Abgasen. Aber da es so staubig ist, dass man kaum richtig durch die Nase atmen kann, habe ich sicher einige Gerüche noch nicht wahrgenommen ;-)